KDA

Feldgottesdienst mit streikenden Arbeitern

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeit des Diakoniewerks

Duisburg - Die Corona-Pandemie wirkt sich nachhaltig auf unser Leben aus. Neben den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Gefahren bedroht die aktuelle Situation zunehmend zahlreiche Menschen existenziell und wirtschaftlich. Laufende Soziale Projekte können in Gefahr geraten.

Unbeachtet dessen berichten täglich die Medien über finanzielle Hilfen für die Wirtschaft. Die Liste der nach Finanzhilfen Fragenden ist lang. Einige Beispiele: Die Rettung der Luftfahrt, Rettungsschirme für den Mittelstand. Industrie und Handel melden Bedarf für finanzielle Hilfen an. Die Automobilindustrie führt tatsächlich erneut eine Diskussion über eine Abwrackprämie um Umsatzeinbußen entgegen zu wirken. Gastro- und Hotelbetriebe sowie Betriebe anderer Branchen erfahren gleichfalls Unterstützung in Milliardenhöhe.

Was geschieht in den sozialen Bereichen und der Arbeit mit den Menschen vor Ort in den Städten?

In Duisburg leistet das Diakoniewerk beispielhaft gute Arbeit für die Menschen in einem breiten Angebotsspektrum mit Hilfen und Arbeitsmaßnahmen, ist aber auf finanzielle Mittel und Zuschüsse angewiesen. Leere Kassen bei Bund, Land und Kommunen können einen massiven Einbruch bei der Arbeit in den sozialen Projekten bedeuten.

Udo Horwat, Geschäftsführer der Diakoniewerk Duisburg GmbH, bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: „Das Diakoniewerk Duisburg ist ein gemeinnütziges Unternehmen. Unsere Dienstleistungen werden von verschiedenen Kostenträgern bezahlt, die jetzt schon durch die Corona-Krise eine deutlich höhere finanzielle Belastung haben.

Aber auch nach der Krise brauchen Sozialunternehmen und Menschen in Notlagen verlässliche finanzielle Zusagen. Bei uns wächst zunehmend die Sorge, dass Kommunen, Landschaftsverbände, Arbeitsagenturen und Jobcenter in nächster Zeit nicht mehr die benötigten Mittel zur Verfügung stellen können. Können wir als Komplexträger in der Wohlfahrtspflege dann noch unsere Arbeit in gewohnter Weise sicherstellen? Oder sind die öffentlichen Kassen nach der Corona-Krise leer?“

Langfristige Auswirkungen der Corona-Krise

Wie die langfristigen Auswirkungen der Krise aussehen werden, lässt sich heute nur vermuten:

Wie sehr leiden Klientinnen und Klienten unter einem Besuchs- und Kontaktverbot? Wo haben Menschen Hilfebedarfe, die unentdeckt geblieben sind? Welche langfristigen Folgen hat ein Verlust der Tagesstruktur? Wie hoch sind die psychischen Belastungen durch die Corona bedingten Einschränkungen? Was sind die Auswirkungen für Kinder und Eltern ohne geregelte Betreuungsstrukturen und pädagogische Bezugspersonen? Wie entwickelt sich die Arbeitslosigkeit?

Udo Horwat: „Insgesamt wird unsere Arbeit im Diakoniewerk Duisburg in vielen Bereichen durch die Corona-Auflagen eingeschränkt. Unser „Café Mittendrin“ als offener Treff für psychisch kranke Menschen bleibt geschlossen, Gruppen für Familien können nicht angeboten werden, Tagesgruppen arbeiten mit einer Notbetreuung, Ausflüge, Sommerfeste etc. dürfen nicht stattfinden. Fortbildungsveranstaltungen und Informationsveranstaltungen sind vermutlich frühestens ab dem 2. Halbjahr 2020 wieder möglich.

Sozialarbeit ist Beziehungsarbeit

Die Mitarbeitenden im Diakoniewerk Duisburg kümmern sich um Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen: Wohnungslose, Suchtkranke, Flüchtlinge, Arbeitslose, Menschen mit Psychiatrieerfahrung, Familien in Krisensituationen… Sozialarbeit ist in erster Linie Beziehungsarbeit und natürlich leidet diese Beziehungsarbeit in der derzeitigen Situation besonders.

Geschäftsführer Udo Horwat erklärt: „Wir freuen uns, dass es uns in ganz vielen Bereichen gelungen ist, neue Wege zu gehen: Viele stationäre Einrichtungen haben die internen Angebote in den Häusern ausgebaut, um externe Kontakte der Klientinnen und Klienten zu reduzieren. In der Jugendhilfe werden Home-Kino und Kicker-Turniere angeboten, das Peter-Beier-Haus bietet Einkaufsmöglichkeiten im eigenen Kiosk, viele Beratungsangebote finden jetzt mit Abstand oder telefonisch statt.“

Ausbildung wird teilweise digitalisiert

Der Präsenzunterricht in den Qualifizierungs- und Ausbildungsangeboten wird durch digitale Lernangebote ersetzt bzw. unterstützt. Schülerinnen und Schüler wurden per E-Mail mit Aufgaben versorgt und konnten Unterrichtsmaterial von der Homepage downloaden. Unter Einhaltung der Hygienevorschriften dürfen Schülerinnen und Schüler, die vor ihren Abschlussprüfungen stehen, seit Anfang Mai wieder unterrichtet werden.

Arbeitsgelegenheiten werden jetzt freiwillig fortgesetzt

Das Diakoniewerk betreut ca. 360 Maßnahmeteilnehmende im Rahmen der Arbeitsgelegenheiten nach §16d SGB II in unterschiedlichen Betrieben (Gartenbau, Friedhofsgärtnerei, Malerei, Tischlerei, Sozialkaufhäuser). Mit Beginn der Corona-Krise wurden die Arbeitsgelegenheiten von der Agentur für Arbeit ausgesetzt. Dadurch haben wir als Träger eine wichtige Einnahme verloren, für die betroffenen Maßnahmeteilnehmerinnen und – teilnehmer ist ihre wichtige Mehraufwands-entschädigung weggefallen.

Mit der Weisung zum 23.4. dürfen die Arbeitsgelegenheiten wieder freiwillig fortgesetzt werden. Die sieben Sozialkaufhäuser des Diakoniewerks sind seit Ende April wieder für den Verkauf geöffnet, auch hier arbeiten zahlreiche AGH-Teilnehmende. In einer ersten Telefonanfrage durch die Jobcoaches haben 50% der Teilnehmenden zugesagt, ab Mitte/Ende Mai wieder in den AGHMaßnahmen arbeiten zu wollen.

Hilfen für Obdachlose und Suchtkranke

Die Versorgung von wohnungslosen Frauen, Männern und Jugendlichen ist im Hilfesystem in Duisburg auch während der Corona-Krise gewährleistet. Das Amt für Soziales und Wohnen der Stadt Duisburg, die Wohnungslosenhilfe des Diakoniewerks Duisburg, der Verein „Gemeinsam gegen Kälte e.V.“, der Suchthilfeverbund Duisburg e.V., die Duisburger Tafel, der Verein Immersatt und Streetworkerinnen und Streetworker von weiteren Trägern arbeiten weiterhin eng vernetzt zusammen, um die notwendige Hilfe für wohnungslose Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen.

Sozialminister Karl-Josef Laumann hat am 31. März 2020 ein Notfallpaket für die Akutversorgung von obdachlosen Menschen bereitgestellt. Der gemeinsame Antrag der Duisburger Träger im Bereich Wohnungslosenhilfe auf eine entsprechende Soforthilfe wurden kurzfristig bewilligt. Mit dem Geld konnten Gutscheine für Lebensmittelgeschäfte, Gutscheine für Prepaidkarten oder Handy-Guthaben, Kleidung, Hygieneartikel und Desinfektionsmittel eingekauft werden, die bereits seit Ostern an Bedürftige verteilt werden. In der Beratungsstelle (ZABV) können Wohnungslose eine Postadresse einrichten, Wohnungsangebote erhalten und wir kümmern uns gemeinsam mit dem Jobcenter um eine schnelle und unbürokratische wirtschaftliche Hilfe.

Der Betrieb im Suchthilfeverbund e.V. läuft derzeit eingeschränkt. Dennoch: Postausgabe und Spritzentausch finden statt und Safer-Use-Artikel werden weiterhin in den Beratungsstellen und der Kontakt- und Anlaufstelle ausgegeben, auch die telefonische Beratung und die StreetworkArbeit finden weiterhin statt.

Martina Mengede

Diakoniewerk Duisburg

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Losung für Samstag, den 31.10.2020

Ich will des Morgens rühmen deine Güte; denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not.
Psalm 59,17

Am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.
Markus 1,35

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