KDA

Feldgottesdienst mit streikenden Arbeitern

Der Wandel in der Arbeitswelt gelingt nur gemeinsam mit den Beschäftigten

Als ehemaliger Betriebsdirektor für Personal- und Sozialfragen ist Peter Ermlich noch heute viel gefragt zu Themen der Arbeitswelt. Er steht seit langem in enger Beziehung zum Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt.

Herr Ermlich, in wenigen Monaten schließen die verbliebenen zwei Bergwerke in Bottrop und Ibbenbüren.Sehen Sie mit dem Verschwinden des Deutschen Steinkohlenbergbaus in die Geschichtsbücher auch einen Verlust von Identifizierung mit der Arbeit, der Solidarität und dem Zusammenhalt der hier lebenden Menschen?

Die Beendigung des Deutschen Steinkohlenbergbaus ist und bleibt eine politische und keine unternehmerische Entscheidung! Auch das wird in den Geschichtsbüchern stehen.

Es ist eine große Verpflichtung und insbesondere eine gewaltige Aufgabe, auch wenn die letzten beiden Bergwerke am Ende dieses Jahres geschlossen werden, neue Arbeitsplätze, die auch eine Wertschöpfung erzielen, in den betroffenen Regionen zu schaffen. Diesen Prozess zu planen, zu koordinieren und zu steuern sehe ich als eine der wichtigsten und größten Herausforderungen an. Das ist eine Herkulesaufgabe, die die Kraft und den Willen vieler Akteure benötigt. Dabei sehe ich die politisch Verantwortlichen ganz vorne, aber auch Unternehmen und Gewerkschaften gehören dazu.

Nur so kann es gelingen, dass sich die hier lebenden Menschen auch ohne Zechen weiter mit ihrer Arbeit und ihrem Umfeld identifizieren, sich weiterhin auch unter die Arme fassen, wenn es nötig ist und zusammenleben, egal welcher Herkunft sie sind. Gute Arbeit und ein gut bezahlter Job ist der Kitt für stabile Lebensverhältnisse in den betroffenen Städten und Kreisen und somit für die Regionen und das Land. Alles andere führt nur zu Unruhe und zu Instabilität. Dann ist es vorbei mit der Solidarität und dem Zusammenhalt der hier lebenden Menschen.

Aus meiner bisherigen beruflichen Erfahrung kann ich das so sagen.

Industrie 4.0, Arbeit 4.0, Digitalisierung von Arbeitsprozessen, Heimarbeitsplätze und lediglich Projektbezogene Arbeitsverträge sowie Arbeit im Alter sind nur einige Themen, die zurzeit diskutiert werden und arbeitsethische Fragen aufwerfen. Herausforderungen, denen es sich zu stellen gilt.

Wo sehen Sie in Zukunft die Aufgabenschwerpunkte der Tarifpartner, der Kirchen und des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, um den Wandel sozial und menschengerecht zu gestalten?

Fortschritt und Entwicklung gab es schon immer und wird es auch zukünftig geben. Deswegen ist Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 auch nur eine Bezeichnung für einen weiteren Schritt, im Rahmen der globalen Wirtschaft dem wir uns hier am Standort Deutschland nicht entziehen können, wenn wir morgen auch noch mitspielen wollen!

Diese Entwicklung ist sicher nicht trivial, aber auch nicht unbeherrschbar.

Als Aufgabenschwerpunkte sehe ich folgende:

Bei der Erstausbildung sind Ausbildungsrahmenpläne zu überprüfen. Im Rahmen der Weiter- und Fortbildung bzw. Qualifizierung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen müssen die Inhalte auf die jeweilige Anforderung angepasst werden, weil sich auch die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten stark verändern werden. Betriebsräte und Personalverantwortliche müssen hierfür ebenfalls qualifiziert sein/werden. Neue Arbeitsverträge sind für die jeweiligen Arbeitsbedingungen zu entwickeln. Dort wo Tarifverträge existieren, müssen diese überprüft und wenn nötig angepasst, neue abgeschlossen werden. Man wird zukünftig weniger auf vier Schichten durch das Werkstor laufen, Arbeitszeiten werden sich flexibler und individueller gestalten. Auch der Gesetzgeber wird sich an die Feder begeben müssen. Arbeitszeitgesetze und Arbeitsstättenverordnungen als Beispiel, wären anzupassen.

Also ein großes Aufgabenfeld über das in den Gewerkschaften und den Organisationen, wie auch im KDA gesprochen und zu handeln ist. Die Menschen müssen und wollen mitgenommen werden, dadurch identifizieren sie sich mehr mit dem Thema und lehnen es nicht ab.

Im Übrigen: Ich denke auch die Arbeitgeber haben ein sehr großes Interesse daran, dass ihre Unternehmen diesen Entwicklungsschritt hinbekommen. Das gelingt meines Erachtens nur gemeinsam mit ihren Beschäftigten bei akzeptablen Rahmenbedingungen, denn der Wettbewerb um gute Mitarbeiter hat gerade erst angefangen!

Ein neues Ausbildungsjahr hat begonnen. Zahlreiche junge Leute betreten erstmals die Arbeitswelt, einem Meilenstein für ihre Zukunft und persönliche Entwicklung.

Welche Botschaft geben Sie als ehemaliger Betriebsrat und Betriebsdirektor für Personal- und Sozialfragen den jungen Menschen mit auf ihren neuen Weg?

Zunächst spreche ich allen Berufsanfängern meinen herzlichen Glückwunsch zum Start in einen neuen Lebensabschnitt aus!

Sie alle haben jetzt mit ihrem Ausbildungsvertrag die Eintrittskarte für das spätere Leben in der Hand. Machen Sie etwas daraus. Vieles neues kommt auf Sie zu, keine Angst, ist allen so gegangen. Vertrauen Sie ihrem erfahrenen Ausbildungspersonal/Ausbilder/Beauftragte. Nutzen Sie Ihre Auffassungsgabe, seinen Sie neugierig und scheuen Sie nicht Dinge zu hinterfragen. Sie sind AZUBI und können naturgemäß vieles noch nicht wissen. Das kommt nach und nach. Freuen Sie sich auf eine schöne und ereignisreiche Zeit. Wenn das erste mal die Ausbildungsvergütung überwiesen ist, ist das auch kein schlechtes Gefühl.

Allen Berufsanfängern wünsche ich einen guten Start und unfallfreien Verlauf während ihrer Ausbildungszeit.

Peter Ermlich

Peter Ermlich, Jahrgang 1960, wuchs in einer Bergarbeitersiedlung in Recklinghausen-Suderwich auf. Sein Vater arbeitete als Maschinenhauer im Bergbau. Er sah für seinen Sohn eine berufliche Zukunft im Handwerk statt im Bergbau, woraufhin Peter Ermlich eine Ausbildung zum Bau- und Stahlbauschlosser machte. Und doch führte Peter Ermlichs beruflicher Weg in den Steinkohlenbergbau.

Nach erfolgreicher Ausbildung arbeitete Peter Ermlich zunächst ein Jahr als Facharbeiter in seinem gelernten Beruf und wechselte 1979 zur Gesteins- und Tiefbau GmbH, einem Tochterunternehmen der Ruhrkohle AG. Hier begann sein gewerkschaftliches Engagement. Schon nach kurzer Zeit wählte man ihn zum Vertrauensmann und als Beisitzer im Vorstand der IGBE-Ortsgruppe. 1984 wählte ihn die Belegschaft in den Betriebsrat. Im Folgejahr erhielt er die Freistellung und war in dieser Funktion u.a. an den Zechenstandorten Fürst Leopold, Hugo und Ewald tätig. Zwei Jahre später, 1986, wurde Peter Ermlich Vorsitzender im Betriebsgewerkschaftsausschuss. Zwei Jahre später, in 1988, wurde Ermlich zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt.

Nach der Fusion der Preussag AG und der Salzgitter AG und Teilen der C. Deilmann AG übernahm er ab 1990 und bis 1999 die Position des stellvertretenden Konzernbetriebsratsvorsitzenden der Preussag AG in Hannover. 1999 wechselte Ermlich auf das Bergwerk Friedrich Heinrich/Rheinland nach Kamp-Lintfort, wo er die Funktion des Betriebsdirektors für Personal- und Sozialfragen übernahm. Bedingt durch den neuen Verbund des Zechenstandortes mit der Zeche Niederberg zum Bergwerk West im Jahr 2002 folgte eine Verlegung auf die Zeche Lohberg-Osterfeld in Dinslaken. Bis 2006, dem Jahr der Zechenschließung, blieb Ermlich dort als PS-Direktor tätig. Nach gut zweijähriger Tätigkeit als Zentralbereichsleiter der RAG für den Arbeits- Gesundheits- und Umweltschutz kehrte er 2008 als nach Kamp-Lintfort als PS-Direktor zurück. Dort arbeitete er bis zur Schließung des Verbundbergwerkes 2013.

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1.Thessalonicher 5,18

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