KDA

Feldgottesdienst mit streikenden Arbeitern

Wir müssen dafür Sorge tragen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht

Als Bezirksleiter des IG BCE – Bezirks Duisburg erlebt Bodo Wilms in der Region Duisburg und dem rechten Niederrhein die Arbeitswelt und ihre Herausforderungen hautnah. Dabei steht für ihn der Mensch stets im Mittelpunkt seines Handelns.

Zusätzlich zu seiner verantwortungsvollen Position als Bezirksleiter arbeitet er in wichtigen Gremien und Ausschüssen wie dem Sprecherausschuss des Landessozialgerichts sowie der Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung mit und erklärt hier aktuelle Fragen aus der Arbeitswelt.

Am Jahresende stellt der Deutsche Steinkohlenbergbau die Förderung ein. Was bedeutet es für die Menschen und die Region, wenn diese Hightech-Industrie die Arbeit einstellt und was empfinden Sie bei diesem Gedanken?

Als Mensch und ehemals Auszubildender/Ausbilder/Betriebsrat auf einem Bergwerk empfinde ich es wie viele andere Betroffene die viel zu früh ihre liebgewonnene schwere Arbeit verloren haben. Meine 16 Jahre im Bergbau haben es erst ermöglicht, das zu sein was man ist. Mein Tätigkeitsnachweis zeigt wo ich arbeiten durfte, und überall, ob Osten/Süden/Norden, egal in welcher Branche, ich habe nur respektvolle Äußerungen vernommen, wenn es um den deutschen Bergbau ging. Ich persönlich und meine Organisation haben immer betont, dass es ein Fehler ist, politisch zu wollen, dass dieses ganze Knowhow verloren geht. Den Menschen zuerst aber auch auf Hightech Industrie zu verzichten, um die neuen Herausforderungen wie die Energiewende zu bewältigen kann nur falsch sein. Außerdem gilt das paradoxerweise auch für Antworten bezüglich des Klimaschutzes. Diesen und viele andere Gedanken bringen wir zur Zeit ein in der Kommission „Wachstum, Innovation und Beschäftigung“, die landläufig und fälschlicherweise Kohlekommission genannt wird.

Die IG BCE ist ein starker und bedeutender Tarifpartner. Wo sehen Sie in Zukunft, die wichtigsten Aufgaben in der Mitbestimmung? Geht die hart errungene Montanmitbestimmung in absehbarer Zeit verloren?

Die Montanmitbestimmung nimmt natürlich für die betroffenen Anzahl der Unternehmen, Betriebe und Beschäftigten ab, siehe Steinkohle-Braunkohle und Stahl. Also da, wo sie entstanden und erfunden worden ist. Was aber immer bleiben wird, ist der außergewöhnliche Erfolg der Montanmitbestimmung. Das Revier an der Ruhr wäre bei weitem nicht das was es nun ist. Seit den 50er Jahren erfolgreich! Nicht was hintertrieben wird mit der Aussage, ein Wandel hätte früher stattfinden können oder müssen. Die, die lange davon gezehrt haben, behaupten dieses nun leichtfertig ohne Verantwortung dafür zu übernehmen. Ich und die IG BCE stehen immer für Nachhaltigkeit, dies hat gerade die Montanmitbestimmung immer so gehalten. Wir müssen aber gemeinsam darauf Acht geben, dass der Gedanke zur Mitbestimmung grundsätzlich bekannt bleibt. Leider haben wir tagtäglich Beweise über Akteure, die versuchen die Mitbestimmung aus zu höhlen. Darum haben wir auf unserem letzten Kongress, auch im Beisein der Bundeskanzlerin, ausdrücklich darauf hingewiesen, welche Gefahren und wo lauern. Nicht nur im Bereich der Leiharbeiter/innen. Sondern oder auch im Gedanken für Europa.

Industrie 4.0 und Arbeit 4.0. Ist die Gesellschaft auf die massiven Veränderungen vorbereitet?

Industriewandel, nun 4.0, hat es immer gegeben. Wir müssen uns entscheiden, dies mit zu gestalten. So wie wir es immer getan haben. Wäre Verweigerung eine Alternative? Nein! Wir müssen dafür Sorge tragen das Industrie/Arbeit 4.0 nicht nur Produktion/Gewinn/Dienstleistung ist, sondern als erstes der Arbeitnehmer, der Mensch, im Vordergrund steht. Und deswegen haben wir ausdrücklich, nicht nur am 1.Mai darauf hingewiesen: „ Für Industrie 4.0 brauchen wir auch Mitbestimmung 4.0“. Heißt, in der betrieblichen und außerbetrieblichen Mitbestimmung muss hier eine Modernisierung und Anpassung stattfinden. Wir wollen/müssen die Chancen in den Vordergrund stellen. Dafür müssen wir es erklären, dass hier Ausbildung/Qualifizierung, Teilhabe und Beteiligung auf die Tagesordnung kommt und diejenigen die schon immer benachteiligt waren, Berücksichtigung erfahren. Dies ist keine Diskussionsgrundlage sondern ein MUSS. Wenn die Gestalter in den Betrieben/Unternehmen/Politik an einem Tisch kommen, und ich meine ausdrücklich Betriebs-, Personalräte, Gewerkschaften, dann kann dies gerade hilfreich sein, eine gefühlte oder tatsächliche Zweiklassengesellschaft zu vermeiden, eher sie ab zu schaffen. Die Sorgen der Menschen müssen ernsthaft aufgenommen und verantwortlich berücksichtigt werden! Dann können wir gemeinsam dies als Chance verstehen!

Gemeinsam. In unserem Element.

www.igbce.de

Bodo Wilms, Bezirksleiter des IG BCE Bezirks Duisburg/rechter Niederrhein

Wenn Bodo Wilms davon spricht, nah bei den Menschen zu sein, dann ist das so. Denn er arbeitet eng mit der Basis der Mitbestimmung zusammen und der Kontakt zur betrieblichen Arbeit und Praxis gilt für ihn als muss.

Wilms begann seine berufliche Laufbahn als Auszubildender zum Betriebsschlosser im Deutschen Steinkohlenbergbau. Er wurde später Ausbilder, dann Betriebsrat im Bergbau. Zu seiner Entwicklung zählten unter vielem Anderen die Arbeit als Jugendsprecher, Gewerkschaftsarbeit und die Wahrnehmung politischer Mandate.

Später absolvierte der heute 59-jährige Sozialdemokrat die Sozialakademie Deutschland.

Ab 1991 arbeitete Wilms als Gewerkschaftssekretär unter anderem in den neuen Bundesländern, Bayern und Baden-Würtemberg. Eingesetzt war er in den Aufgabenfeldern Personengruppenarbeit, Organisation, Sozialrecht und Versichertenorganvertretung.

Verantwortung als Bezirksleiter der IG BCE übernahm er erstmals 1999 in Schleswig-Holstein, später in Leverkusen. Seit Juni 2010 ist er Bezirksleiter der IG BCE für den Bezirk Duisburg/rechter Niederrhein.

Sofern seine Arbeit es erlaubt, joggt der Naturliebhaber Wilms und genießt Saunabesuche. Bergwandern und Skilaufen sind eine Passion für den Gewerkschaftler aus Duisburg.

Fotos:

Titel: Bergleute auf dem Weg zum Arbeitsamt in Duisburg Hamborn

Unten: Bodo Wilms, Bezirksleiter des IG BCE Bezirks Duisburg/rechter Niederrhein

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Losung für Montag, den 20.08.2018

Der HERR hatte sie fröhlich gemacht.
Esra 6,22

Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen.
Apostelgeschichte 2,46

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